Die WELT hat am 23. April 2026 über die Eurasien Gesellschaft berichtet. In dem Beitrag wurden unser Vorsitzender und unser stellvertretender Vorsitzender politisch eingeordnet. Unser Vorsitzender wurde als Berater der AfD dargestellt, unser stellvertretender Vorsitzender als „russlandfreundlich“ bezeichnet. Unserem Verein wurde zudem der Eindruck zugeschrieben, bewusst Gegner der Ukraine einzuladen.
Diese Darstellungen weisen wir zurück.
Die Eurasien Gesellschaft ist satzungsgemäß keiner Partei nahe stehend. Sie setzt sich für Analyse, Dialog, friedliche Beziehungen und Völkerverständigung ein. Gerade in Zeiten schwerer internationaler Konflikte braucht es Räume, in denen unterschiedliche Perspektiven geprüft, eingeordnet und kritisch diskutiert werden können.
Wir haben uns am 28. April und 11. Mai 2026 an die Chefredaktion der WELT gewandt und um Richtigstellung oder zumindest um die Möglichkeit einer eigenen Stellungnahme gebeten. Eine Antwort blieb aus.
Deshalb veröffentlichen wir nun unseren Brief.
Nicht aus Empörung, sondern aus einem einfachen journalistischen Grundsatz heraus: Wer öffentlich einordnet, sollte auch Gelegenheit zur Erwiderung geben.
Die Eurasien Gesellschaft steht für Dialog statt Verdächtigung. Für Analyse statt politischer Etiketten. Und für die Überzeugung, dass Frieden nicht durch Sprachlosigkeit entsteht.
Offener Brief an die Redaktionsleitung WELT
Gegendarstellung
Sehr geehrter Herr Fuhst,
am 23. April 2026 erschien in der WELT (und zuvor in Politico) ein Artikel unter der Überschrift „Putin-Propagandist soll AfD-Außenpolitiker beraten“. In diesem Artikel wird Alexander Rahr als Berater der AfD dargestellt. Über die Mitglieder unseres Vorstandes Alexander Rahr und Alexander S. Neu wird darüber hinaus ein Bezug zur Eurasien Gesellschaft e. V. hergestellt.
Dazu erklären wir: Die Eurasien Gesellschaft e. V. steht laut Satzung keiner Partei oder religiösen Bewegung nahe. So verhalten wir uns auch in der täglichen Arbeit.
Die Eurasien Gesellschaft e. V. versteht sich ausdrücklich als überparteilicher Think Tank, der den Dialog zwischen Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft fördert und Expertise zu geopolitischen, wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Fragestellungen bereitstellt. Dieses Angebot richtet sich grundsätzlich an alle demokratisch legitimierten Mandatsträger und Institutionen. Vor diesem Hintergrund ist es weder ungewöhnlich noch problematisch, wenn Vertreter unterschiedlicher politischer Lager – einschließlich der AfD als derzeit stärkster Oppositionskraft im Deutschen Bundestag – auf solche Expertise zurückgreifen oder Einladungen zu Fachvorträgen aussprechen.
Es trifft nicht zu, dass die Eurasien Gesellschaft vor allem Referenten einlädt, die die Verteidigung der Ukraine diskreditieren. Zu allen unseren Veranstaltungen laden wir Referenten ein, weil sie ausgewiesene Experten auf ihrem Gebiet sind, nicht weil sie eine bestimmte Meinung vertreten. Gern begrüßen wir auch Sie zu unseren nächsten Veranstaltungen, damit Sie sich ein eigenes Bild machen können.
Die Einladung des Arbeitskreises Außenpolitik der AfD-Fraktion richtete sich persönlich an Alexander Rahr, nicht an die Eurasien Gesellschaft. Wir werden diese Einladung deshalb nicht kommentieren.
Wir weisen aber darauf hin, dass unser Vorsitzender Alexander Rahr kein „Propagandist Putins“ und kein Unterstützer des russischen Krieges gegen die Ukraine ist. Die von Ihnen im o. g. Artikel aufgeführten Zitate sind eine willkürliche Auswahl, die eine bestimmte Deutung bestätigen soll. Sie entspringen aber seiner wissenschaftlichen Analyse und den Erkenntnissen aus vielfältigen Kontakten, die er besitzt. Hinzufügen möchten wir, dass er den Bundeskanzler Gerhard Schröder und andere Regierungsmitglieder beraten hat und zusammen mit Hans-Dietrich Genscher den russischen Oligarchen Michail Chodorkowski aus seiner Haft befreien konnte. Alexander Rahr wurde für seine Arbeit mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt.
Auch unserem Vorstandsmitglied Dr. Alexander S. Neu kann keine Nähe zu Russland vorgeworfen werden, wie das von Ihnen verwendete Adjektiv „russlandfreundlich“ nahelegt. Vielmehr ist er allen Völkern und Nationen freundschaftlich verbunden. Als Politikwissenschaftler analysiert und betrachtet er kritisch die Handlungen von Staaten und Regierungen, darunter auch der russischen.
Wir bitten Sie freundlich um eine redaktionelle Überprüfung des Beitrages sowie um Veröffentlichung einer Gegendarstellung. Alternativ könnten Sie uns die Möglichkeit geben, die Arbeit der Eurasien Gesellschaft auf den Seiten Ihrer Publikationen vorzustellen.
Wir schätzen Ihre publizistische Arbeit, wünschen Ihnen und uns aber, dass in den von Ihnen verantworteten Medien die journalistische Sorgfalt unumstößlicher Grundsatz ist.
In Erwartung Ihrer Antwort verbleibt mit freundlichen Grüßen
Uwe Schraps
Geschäftsführer





















