Energiekrise: Gibt es Versorgungsalternativen zu Russland?
Wirtschaftsrechtsanwalt Wolfgang Hummel trug am 4. Mai 2026 in der Eurasischen Gesellschaft in Berlin-Mitte zum Thema EU-Sanktionen gegen russisches Öl und Gas vor. Der Iran-Krieg hat, nach dem Ukraine-Krieg, zur weltweiten Energiekrise geführt. Der Persische Golf ist als Energieversorger ausgefallen. Die Energiepreise steigen rasant, die Energiesicherheit Europas ist massiv gefährdet, gleichzeitig wird die zweitgrößte Energiesupermacht - Russland - vom Westen sanktioniert. Die Transportinfrastruktur, die 50 Jahre zur europäischen Energiesicherheit beigetragen hat, liegt auf Eis.
Wolfgang Hummel kritisierte, dass die EU einfach nicht registriert ist, dass Russland in der globalen Weltwirtschaft gar nicht isoliert ist, dass der Westen tatsächlich keine echten Alternativen zu russischen Energieträgern hat, dass andere Bezugsquellen im Vergleich zu den russischen zu kostspielig sind. Die EU bezahlt ihre Sanktionspolitik damit mit dem eigenen Wohlstandsverlust.
Laut Wolfgang Hummel wird Deutschland ohne billige Energieimporte aus Russland die Deindustrialisierung des Landes nicht stoppen können. Die Insolvenzen hierzu nehmen zu, insbesondere in der Chemieindustrie. Grosse Konzerne werden vom Staat finanziell „gerettet", aber nur für kurze Zeit. Russische Firmen werden unter staatlicher Zwangsverwaltung gestellt, außerhalb Europas sinkt das Vertrauen in den Standort EU. . Die deutsche Politik und Medien, die der russischen Wirtschaft eine strategische Niederlassung zufügen wollen, verhalten sich erschreckend realitätsfremd. Die Umweltproblematik bei LNG-Lieferungen wird beispielsweise gar nicht beachtet.
Die USA und Russland profitieren beide als Energieversorger von der Energiekrise. Die Abhängigkeiten der Europäer von den USA steigen ins Unermessliche. Wolfgang Hummel zeigte sich entschlossen darüber, wie Deutschland und die EU selbstschädigend agieren. Vor allem Deutschland opfert seine Wirtschaft für die Ukraine, die formal gar kein Bündnispartner des Westens ist.
Herr Hummel glaubt, dass Europa nicht umhin kommen wird, mit Russland und China zusammenzuarbeiten. Ohne Rohstoffe aus diesen Ländern kann Europa nicht lange existieren. Die Ostpolitik der 1960/70er Jahre war kein Fehler.
Der Vortrag provozierte viele Fragen und Kommentare. Einige wunderten sich, wie sich die Wirtschaft den politisch Herrschenden beugt, und wie die Bevölkerung Angst vor Widerstand gegen die Politik hat. Sehr wenig wollen für sich Reputations-Risiken in Kauf nehmen.
Unser Referent: Wolfgang J. Hummel
Er ist Wirtschaftsanwalt in Berlin und verfügt über mehr als 30 Jahre Erfahrung in deutsch-russischen und deutsch-ukrainischen Wirtschafts- und Infrastrukturprojekten. Er vertrat erfolgreich Mitarbeiter der PCK-Erdölraffinerie in Schwedt/Oder in einem Prozess gegen das Bundeswirtschaftsministerium.





















